Da saß ich nun mit meinen 19 Jahren am Küchentisch meiner Eltern in Magdeburg. Die Wanduhr tickte und ich starrte auf den Einberufungsbefehl. […] Da nutzen auch alle Reklamationen und Einsprüche meiner Eltern und meines Betriebes nichts, ich mußte meine Lehre als Fernmeldemonteur bei der Firma Telefonbau u. Normalzeit - Lehner & Co. in Magdeburg unterbrechen und wurde Soldat.

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Draußen waren es 48 Grad unter Null, das Thermometer ging nur bis -50. »Aber noch kälter kann es doch nicht werden«, dachte ich. Es war gar nicht mehr feierlich, aufs Klo zu gehen war eine Katastrophe.

Es lag sehr viel Schnee, der noch durch den Wind zu großen Dünen angeweht wurde. Hans und ich waren Verpflegung holen und der eisige Wind fuhr uns unter die Kleidung, ich habe beinah meine Füße nicht mehr gespürt.

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Oft tranken wir russischen Schnaps und das war ein Teufelszeug, die Russen stellten den aus Kartoffeln selbst her, er heißt Samachonka. Er sah aus wie milchiges Wasser, schmeckte wie abgestandenes Wasser und es war keine Wirkung zu merken. Erst eine halbe Stunde später wurde einem ganz schwummelich. Am nächsten Tag merkte man nichts mehr, aber wehe man trank einen Kaffee, dann war man sofort wieder blau.

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Die Blumenkästen machten sich, etwas Salat war schon zu sehen und ich arbeitete fleißig im Garten. Den 5. Verstärker hatte ich nun angeschlossen und wir bekamen jetzt einen Hund - Jupp, die Katze habe ich mit der Maschinenpistole erschossen.

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Auf einmal hörten wir Motorengeräusche aus der Ferne. Da kamen 2 Polizeipanzer von hinten, einer fuhr an uns vorbei noch ein Stück vor. Eine starke Explosion erschütterte die Gegend, wir gingen in Deckung. Der Panzer kam schnell wieder zurück gefahren - er hatte einen Treffer ins vordere Kettenrad bekommen. Keiner wußte so recht, wo nun hin, wir waren schon eingeschlossen und direkt an der Frontlinie.

Der eine Panzer holte uns dann raus, wir 5 mußten aufsitzen, und im Tempo ging es etliche Kilometer zurück. Dann setzte er uns ab und fuhr wieder nach vorn an die Front.

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Dauernd wurden wir von bolschewistischen Reitern angegriffen.

Richtig sehen konnte man die nicht, man sah nur eine riesige Staubwolke, die plötzlich auftauchte und hörte die Gewehrschüsse an einem vorbeisausen. Wir schmissen uns sofort hin, nahmen die Patronen aus unserer Tasche und füllten unsere Gewehre, dann luden wir durch und schossen in die Staubwolke.

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Unsere Wiegand bekam plötzlich auch einen Treffer ins Vorschiff.

Nichts passierte - Stille. Der Treffer erwies sich als Blindgänger. Die Granate steckte im Kettenkasten, deshalb durfte auch der Anker nicht betätigt werden. Dauernd war Fliegeralarm.

Die Vorsehung war uns hold und mein Schutzengel war wieder bei mir, bei Dunkelheit liefen wir aus. Es war auch höchste Zeit, am nächsten Tag wären wir nicht mehr weg gekommen.

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Es war ein schöner Sonnenmorgen, wir schliefen ja immer bis 10 oder 11 Uhr, um Verpflegung einzusparen, besser gesagt, damit wir nicht solchen Hunger hatten, denn zum Einsparen war ja nichts da. Hier habe ich das erste Mal in meinem Leben verspürt, daß Hunger wehtut, da mußte man sich regelrecht vor Hunger winden.

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Da saß ich nun mit meinen 19 Jahren am Küchentisch meiner Eltern in Magdeburg. Die Wanduhr tickte und ich starrte auf den Einberufungsbefehl. […] Da nutzen auch alle Reklamationen und Einsprüche meiner Eltern und meines Betriebes nichts, ich mußte meine Lehre als Fernmeldemonteur bei der Firma Telefonbau u. Normalzeit - Lehner & Co. in Magdeburg unterbrechen und wurde Soldat.

Die ganze Geschichte in Mein Kriegstagebuch.

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